Das Schimmelinferno

Zugegeben: Es dauert noch ein paar Wochen, bis die kalte Jahreszeit Einzug hält, doch wie in jedem Jahr ist es nach einer diffusen Übergangszeit plötzlich so weit. Es wird kalt, nass, unangenehm. Spätestens dann tritt ein Phänomen auf, dass alljährlich zu ernsthaften Problemen führt. Probleme mit dem Wohnraumklima und Probleme zwischen Mietern und Vermietern. Der Schimmel wuchert. Und wer ist Schuld?
Nun, das Heiz- und Lüftungsverhalten der Bundesbürger hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Oft werden Schlafzimmer kaum noch geheizt, Fenster werden – vor allem im Winter – nicht komplett geöffnet, und die Temperaturen in den Wohnungen sind durchschnittlich leicht gesunken. Heizenergie ist teuer. Es wird gespart. Doch genau dieses übertriebene Sparen führt zur Schimmelbildung.

Kommen wir also zur Physik: Die Luft kann umso mehr Wasser aufnehmen, je wärmer sie ist. Kalte Luft nimmt folglich wenig Wasser auf. 50 Prozent relative Luftfeuchtigkeit besagen weiter, dass die Speicherfähigkeit der Luft zu 50 Prozent ausgelastet ist. Bei 100 Prozent wird Wasserdampf sichtbar. Die übliche Luftfeuchtigkeit einer Wohnung sollte zwischen 45 und 65 Prozent liegen.
Woher kommt aber das viele Wasser? Ein Mensch schwitzt und atmet in einer Nacht rund einen Liter Feuchtigkeit aus, und das ist noch die kleinste ‚Luftbefeuchtungsmaschinerie‘. In einem Vier-Personen-Haushalt können durch das Kochen, Duschen, Baden und Wäschetrocknen an einem Tag 10 bis 15 Liter Wasser an die Raumluft abgegeben werden. Dieses Wasser muss durch sinnvolles Lüften aus der Wohnung entfernt werden. Passiert dieses ‚Auslüften‘ nicht in ausreichendem Maße, kondensiert die Luftfeuchtigkeit an den kältesten Stellen der Wohnung. Dies sind in der Regel die Fenster und deren Rahmen, die Außenwände und besonders die angrenzenden Ecken. Aber auch hinter Schränken und Betten – an den Stellen, wo die Raumwärme nicht hinkommt – sammelt sich die kondensierende Feuchte. Ein idealer Nährboden für Schimmelpilze, denn warme Wände schwitzen nicht.
Diese Schimmelpilze sorgen nicht nur für materielle Schäden – immerhin zerstören sie Tapeten, Wände, Möbel und Teppiche. Sie stellen auch ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar. In einigen Pilzen wurden Mycotoxine (das sind die Gifte der Pilze) nachgewiesen. Sie können Infektionen hervorrufen. Häufiger sind jedoch allergische Reaktionen.

Was ist also zu tun?

  • Insbesondere im Bad und in der Küche, also an Orten, an denen die Feuchtigkeit ein entscheidende Rolle spielt, muss regelmäßig und gründlich gelüftet werden, um den hohen Feuchtigkeitsgehalt der Luft abzutransportieren.
  • Keine Wäsche in den Räumen trocknen.
  • Unbeheizte Räume sollten geschlossen bleiben, damit die wasserreiche warme Luft dort nicht kondensieren kann.
  • Stoßlüftung oder Dauerlüftung? Hier streiten sich die Gelehrten. Wir von der Mark Wohnungsgesellschaft ziehen die mehrmals tägliche und mehrere Minuten lange  Stoßlüftung in feuchten Räumen vor.
  • Schränke und Betten mindestens 5 cm von der Wand vorrücken.

Die Mark Wohnungsgesellschaft nimmt dieses Thema sehr ernst, wenngleich die Probleme der Schimmelbildung nahezu ausschließlich und immer wiederkehrend in den selben Wohnungen auftreten. Zur raschen Aufklärung dieser Fälle besitzen wir ein mobiles Messgerät, mit dem wir den Feuchtigkeitsgehalt in der Wand messen können. Zusätzlich ist ein Digitalhygrometer zur Messung der Luftfeuchtigkeit und ein Digitalthermometer zur Temperaturmessung eingebaut. Mit dieser Ausrüstung erhalten wir bereits vor Ort erste Analysen. Nur in seltenen Fällen sind zur Vermeidung weiterer Schimmelbildungen bauliche Veränderungen an sogenannten Wärmebrücken notwendig. In den weitaus meisten Fällen können Verhaltensänderungen in Bezug auf das Raumklima wahre Wunder wirken.
Man muss nur wollen. Und dann hat es sich auf Ewig ausgeschimmelt.