Ziemlich coole Oma

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Am 10. Dezember 2018 drang um 6.00 Uhr das Sondereinsatzkommando (SEK) in eine unserer Wohnungen ein, um dort ein vermutetes Mitglied der Rockerbande „Freeway Riders“ festzunehmen. Nachdem die Einsatzkräfte auf dem Balkon eine Blendgranate zündeten, öffneten sie gewaltsam die Wohnungseingangstür und zwei Zimmertüren mit einem Rammbock und standen schließlich im Schlafzimmer der 88-jährigen Helga Mackenbach gegenüber, die sicherlich senkrecht in ihrem Bett saß.

Anders als zu erwarten, reagierte die rüstige alte Dame jedoch denkbar gelassen, stand auf und bot den Beamten – noch während sich der polizeiliche Irrtum aufklärte – einen Kaffee an. Wohlgemerkt: in ihrem besten Weihnachtsgeschirr. Die herbeigeeilte Seelsorgerin konnte immerhin noch eine Tasse Kaffee mittrinken. Ihre eigentliche Funktion war nicht nötig. Kurz nach dem Irrtum griff das SEK zwei Häuser weiter im richtigen Schlafzimmer dann doch noch die richtige Zielperson auf.

Bereits eine Stunde nach dem Zugriff bekam auch der Leiter unserer Vermietungsabteilung Mike Dunkel einen Anruf von der Polizei: „Der Polizist informierte mich am frühen Morgen direkt über die kuriosen Ereignisse der zurückliegenden Minuten und auch über die verursachten Schäden an unserer Wohnung. Zugleich sicherte er mir aber auch sofort zu, dass der Sachschaden natürlich bezahlt wird.“ Damit war das erste Thema bereits positiv abgehakt. Viel wichtiger war es aber, wie es Helga Mackenbach zu diesem Zeitpunkt ging. Also fuhr Celine Petersen von der Wohnungsverwaltung zu ihr und trank mit ihr – ganz offensichtlich – nicht den ersten Kaffee des Tages. Kurzum: Helga Mackenbach ging es hervorragend.

Das Medieninteresse an diesem Vorfall war gigantisch. Private wie öffentlich-rechtliche Hörfunk- und Fernsehmedien berichteten. Die BILD und zahlreiche Tageszeitungen waren vor Ort und viele mehr. Mit anderen Worten: Diese Geschichte war zu skurril, als dass sie nicht einmal durch die bundesweite Medienlandschaft wandert.e Unsere Mieterin Helga Mackenbach hat den ganzen Trubel um sie und um den Vorfall aber überaus locker genommen. Respekt!

Während die Journalisten noch bei Mackenback klingelten, sorgten unsere kurzfristig beauftragten Handwerksbetriebe bereits für eine provisorische Eingangstür. Und zwei Wochen nach dem Schreck am Morgen konnten bereits die Zimmertüren von einem Schreiner erneuert werden. Die endgültige Wohnungseingangstür wird im Januar installiert.

Es war nicht der erste polizeiliche Zugriff in einer unserer Wohnungen. Vor einigen Jahren brach die Polizei schon mal eine Wohnung auf. Der Täter versteckte sich zu eben diesem Zeitpunkt jedoch genau hinter der Tür, die ihm beim gewaltsamen Öffnen den Fuß brach. Der Gesuchte konnte mit geringer Gegenwehr sofort ins Krankenhaus abgeführt werden. So kanns kommen.
Dann doch lieber einen Kaffee im Weihnachtsgeschirr.

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