Während die politischen Ebenen sich immer wieder neue Gedanken zur Wohnungswirtschaft machen, sprachen wir mit dem Geschäftsführer der Mark Wohnungsgesellschaft mbH, Guido Schönau. Wie erlebt er die Situation für die Mark – und branchenweit?

? Wie macht sich die Politik im Alltag der Mark bemerkbar?
! Politisch betrachtet werden der gesamten Branche immer höhere Hürden vorgesetzt, die wir überspringen müssen. Anstatt Bürokratie abzubauen, wird sie aufgebaut, und das belastet den Wohnungsmarkt in Summe.

? Wo wird Bürokratie aufgebaut? Und wie?
! Vor Jahren wurde beispielsweise die CO2-Steuer eingeführt. Das hat zur Folge, dass unsere Mieter mit einer Einzelrechnung vom Versorger zu uns kommen und von uns den Anteil der CO2-Steuer zurückholen wollen. Das ist auch völlig berechtigt. Bloß ist das für uns ein Mehraufwand, den niemand bezahlt. Das sind Termine, Belege, Kopien, Berechnungen, Unterschriften, Auszahlungen. Da kann man sich vorstellen, dass das eine Menge Zeit und Mitarbeiterressourcen frisst. Zeit, die nicht in unsere Kernaufgabe fließt, gute Wohnungen anzubieten. Anderes Beispiel: Wenn wir eine energetische Modernisierungsmaßnahmen durchführen wollen, benötigen wir nun – vorgeschrieben – einen Energieberater. Und der kostet wieder Zeit und Geld – und wird überdies jedes Jahr teurer.

? Gibt es auch Erleichterungen durch eine moderne Bürokratie?
! Da fällt mir jetzt ehrlich gesagt nichts ein.

? Im Sinne der Nachhaltigkeit und des Umweltgedankens erhöht sich also der Verwaltungsaufwand, der letztlich von den Mietern bezahlt wird. So beteiligt sich die Gesellschaft aber auch an den Gesamtkosten für eine zukünftige Welt, oder?
! Genau so ist das. Wenn wir also Modernisierungsmaßnahme durchführen, führt das zu höheren Mieten. Rein rechtlich könnten wir übrigens einen recht hohen Anteil auf die Mieter umlegen, was wir aber nicht machen, damit die Mieten nicht ausufern. Wir kommen schließlich aus der Gemeinnützigkeit und sind darauf bedacht, die Mieten klein zu halten.

? Wie blicken Sie insgesamt auf die Wohnungssituation und auch auf die der Mark?
! Unsere Bundesministerin fordert pro Jahr rund 400.000 neue Wohnungen. Wie diese Wohnungen entstehen, bleibt unklar. Und es ist ja auch bei weitem nicht dazu gekommen. Auch in Lüdenscheid haben wir keinen Neubau, mit Ausnahme lang geplanter Projekte, die aber mit der aktuellen politischen Diskussion nichts zu tun haben. Dazu kommt: Bis 2045 sollen die Bestände komplett klimaneutral sein. Und ganz ehrlich: Es würde an ein Wunder grenzen, wenn Deutschland – und damit natürlich auch die Mark – das hinbekäme. Immerhin: Wir haben bereits ein Viertel unseres Bestands energetisch saniert, weil wir bereits vor vielen Jahren damit begonnen haben. Das war sehr weitsichtig von der Mark. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass wir noch 75 Prozent vor uns haben, und das ist natürlich eine echte Mammutaufgabe.

? Wo sehen sie die Mark im Vergleich zum Wettbewerb?
! Wir sind gut aufgestellt, weil wir die Ressourcen haben, Fremdmittel aufzunehmen, da wir in den zurückliegenden Jahren viele Darlehen zurückgezahlt haben. Dadurch können wir uns neu verschulden, um die energetischen Sanierungen überhaupt leisten zu können. Außerdem haben wir eine Eigenkapital-Quote von über 60 Prozent. Für eine GmbH ist das schon echt beachtlich.

? Wie werden sich die Mark-Mieten in naher Zukunft verändern?
! Wir werden hier keine Durchschnittsmiete in absehbarer Zeit von 10 Euro pro Quadratmeter haben. Stattdessen liegen wir aktuell bei 5,19 Euro. Nur zum Vergleich: In Süddeutschland zahlen Mieter mitunter 25 Euro für einen gemieteten Quadratmeter. Wir liegen also weit unter dem Durchschnitt.